Projekt Jüdisches Leben in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft 26./27.06 2023 anlässlich der Jüdischen Woche

Fazit:  Das Symposium mit den Gästen aus den Partnerstädten Brno, Kraków und Kyjiw inklusive der Leipziger Beiträge wird sowohl aus Sicht der acht Referent*innen als auch von den teilnehmenden Zuhörer*innen und Diskutant*innen als besonders gelungener Auftakt zu weiteren Vernetzungen und zukünftigen gemeinsamen Vorhaben und Projekten angesehen.

1.Begegnungsabend mit Konzert des Leipziger Synagogalchores.

Eingeleitet wurde der Begegnungsabend mit Grußworten des Referatsleiters in der Sächsischen Staatskanzlei, Dr. David Michel sowie der Kulturamtsleiterin der Stadt Leipzig, Dr. Anja Jackes.

Das beeindruckende und sensible Konzert des Synagogalchores nahm dankeswerter Weise in seiner Vielfältigkeit,  Internationalität und Zeitreise das Thema des Symposiums auf.

 Fotos: SILVIA HAUPTMANN

Nach dem Konzert kam es unter den etwa 80 Teilnehmenden bei Getränk und Häppchen zu intensiven Gesprächen und beginnenden Vernetzungen.

2. Symposium mit Referaten und Diskussion

 Der Dank des Vereines ging zu Beginn an die Förderer und Unterstützer des Projektes ohne die ein solches Symposium nicht möglich gewesen wäre:

Das Land Sachsen, die Stadt Leipzig, die Europäische Stiftung der Rahn Dittrich Group für Bildung und Kultur sowie dem Marriott-Hotel.

Besondere Aufmerksamkeit Wertschätzung erfuhren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 a der 20. Oberschule, Leipzig Schönefeld.

Das wurde auch von der Bürgermeisterin für Jugend, Schule und Demokratie, Vicki Felthaus  in ihrem Grußwort ausdrücklich gewürdigt.

Die Klasse sich einige Wochen mit ihren Geschichtslehrern und mit Unterstützung von Mitarbeiter*innen der Universität Leipzig mit der Geschichte des Judentums im Allgemeinen, mit dem Jüdischen Leben in Leipzig und mit der speziellen Situation einer Familie aus ihrem Stadtteil auseinandergesetzt –  in einer Schule, an der wahrscheinlich keine Juden, wohl viele atheistische Schüler*innen, aber auch Muslim*innen lernen.

Mit ihrem Podcast, den Interviews, der entwickelten Stadtkarte und dem virtuellen Stadtrundgang wurden Materialien entwickelt, die auch zur weiteren Nutzung im Unterricht zur Verfügung stehen und auf der  website der Schule präsentiert sind.

 Hier ein Beispiel

https://t1p.de/nszwangsarbeitrundgang

Foto: privat

Als Gäste aus unseren Partnerstädten konnten wir begrüßen:

Ianna Ioffe von der Jüdischen Gemeinde Kyjiw

Michail Kalinsky  Historiker aus Kyjiw

Rabbiner Stepan Kliment aus Brno

Martin Smok  Historiker aus Brno

Pawel Sekowski  Jüdische Gemeinde Krakow

Maciej Belda  Historiker aus Krakow

Zudem aus Leipzig:

Rabbiner Zsoldt Balla

Nora Pester Verlegerin

Die Referate der Teilnehmenden  mit den unterschiedlichen Gesichtspunkten, einmal aus der historischen, einmal aus der religiösen, gemeindlichen Sicht boten eine Bandbreite von Wissensvermittlung, spezifischen Besonderheiten der jeweiligen Stadt, ihre Stärken und Defizite, aber auch ihrer Hoffnungen auf nötige gesellschaftliche Diskussionen im Hier und Heute an.

Wenn auch die Ansiedlung von Jüd*innen in den einzelnen Städten im Laufe der Jahrhunderte recht unterschiedlich verlaufen ist, teilen alle die Erkenntnis  der vielfältigen kulturellen und religiösen Wurzeln und deren bereichernden Einfluss auf die Entwicklung der Städte. Auch kam es überall immer wieder zu Ausgrenzung und Pogromen als gemeinsame schmerzliche Erfahrung.

Leipzig hat in bestimmten Zeiten davon profitiert, weil gerade Menschen aus Ost- und Mitteleuropa hier zumindest vorrübergehend Heimat gefunden haben.

Heute eint uns der Anspruch als zivilgesellschaftlich engagierte Menschen in unserem Umfeld gegen jegliche Ausgrenzung und gar Antisemitismus einzutreten.

Sehr nachdenklich machte bei den Berichten aus Kijiw der Bezug zur heutigen Situation. Die allermeisten Jüdinnen und Juden sind durch den unsäglichen Krieg wieder auf der Flucht, kämpfen um das Überleben und brauchen unsere Solidarität.

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit je einem Referenten aus den Partnerstädten und Leipzig wurde Bilanz des Tages gezogen, aber vor allem Anregungen für eine weitere Zusammenarbeit ausgetauscht.

Deutlich wurden übereinstimmend Defizite in der schulischen und außerschulischen Bildung in nahezu allen Ländern festgestellt. Wir waren uns einig, dass über gezielte Information zu jüdischem Leben, ihrer Geschichte und Kultur ein gesellschaftlicher Dialog angestoßen werden kann und muss. Wir müssen endlich begreifen, dass Vielfalt Bereicherung bedeutet und das Anderssein als Wert anerkannt wird und wir das als positive Botschaft vermitteln müssen.

Dazu könnten wir:

  • Ein Netzwerk der Jüdischen Gemeinden bilden
  • Zukünftig gemeinsame oder bilaterale Jugendaustausche organisieren
  • Bei überregional medienwirksamen antisemitischen Vorfällen gemeinsam reagieren
  • Die Erfahrungen in der Bildungsarbeit teilen
  • Bei dem Aufbau und Austausch jüdischer Bibliotheken Unterstützung gewähren
  • Bei der Benennung von Straßen insbesondere Jüdischer Menschen gedenken
  • Bei internationalen jüdischen Konferenzen teilnehmen

Es wird an uns allen liegen, was wir in Zukunft aus dem ersten Treffen der Partnerstädte zu Jüdischem Leben machen und welche Chancen wir nutzen.

Im Laufe des Tages nahmen 85 Personen am Symposium teil.

Unter diesem Link finden Sie weitere Beiträge, Powerpoint-Präsentationen und Bilder, die während des Symposiums gemacht wurden:

https://cloud.ariowitsch-verwaltung.de/s/ZasNAwEzFqCEL6a

3. Abschlusskonzert mit der Sängerin Karolina Trybala und en Akkordeonspieler Mateusz Tadeusz Dudek

Als fulminanter Abschluss eines langen Tages mit ernsthaften Themen nahm uns das Duo Tryballa/Dudek mit in das Reich der jüdischen/jiddischen Musik, die keine Ländergrenzen kennt und uns mit dem Reichtum der Töne erwärmte.

Nicht nur unsere ausländischen Gäste waren begeistert – insbesondere Pawel Sekowski, wie M.T. Dudek aus Krakow kommend – auch alle anderen anwesenden 60 Menschen. Das war Mut machend.

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