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Leipzig während der NS-Zeit

Schenkung von Thorarolle an IRG Leipzig, 2009 
© Foto: Silvia Hauptmann
Mit dem 30. Januar 1933, dem Tag der Machtübernahme Hitlers, begann auch in Leipzig der massive Kampf gegen Andersdenkende. Unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers rief die KPD zum Generalstreik auf, leider vergeblich. So wurde bereits am 8. Februar 1933 das Franz-Mehring-Haus, der ehemalige Sitz der KPD, von den Nationalsozialisten durchsucht.
Am 15. Februar 1933 fand der erste Propagandamarsch der NSDAP in Leipzig statt. Bei den Bezirkswahlen zwei Tage zuvor hatte die SPD mit 10 Mandaten und die KPD mit 8 Mandaten gegenüber der NSDAP mit 4 von insgesamt 31 Mandaten die Mehrheit der Stimmen bekommen. Schon aus diesem Ereignis wird deutlich, dass es die Nationalsozialisten schwer hatten, in Leipzig Boden zu gewinnen. Die Anhänger_innen der Nationalsozialisten wurden öfter von Arbeiter_innen angegriffen.
Am 19.02.1933 kam es zu einer ersten großen Demonstration von Kommunist_innen, Sozialdemokrat_innen, Gewerkschaften, Jungkommunist_innen und Jungsozialist_innen gegen die Regierung. Als Reaktion darauf wurden ab dem 22. Februar 1933 alle KPD-Veranstaltungen verboten. Am 23. Februar 1933 wurde in Leipzig-Plagwitz der Sozialdemokrat Walter Heinze ermordet.

Seit dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 fand Hitler Möglichkeiten, die demokratischen Freiheiten einzuschränken. Am 28. Februar 1933 wurden die politischen Grundrechte verabschiedet. In Notsituationen konnten somit die Grundrechte durch den Reichskanzler außer Kraft gesetzt werden.
Der Prozess zum Reichstagsbrand begann am 21. September 1933 in Leipzig. Die Stadt war für die Zeit dieses Prozesses im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Der Angeklagte Georgi Dimitroff konnte auf spektakuläre Art seine Unschuld beweisen. Nach fast einem Vierteljahr zermürbenden Prozesses wurde Dimitroff im Dezember 1933 freigesprochen.

Bereits im März 1933 erfolgte in Leipzig eine große Verhaftungswelle, bei der vorwiegend Kommunist_innen ins Polizeigefängnis oder in die Folteranstalten der SA-Quartiere gebracht wurden. In den Tagen danach folgten Hausdurchsuchungen, Großrazzien und weitere Verhaftungen - unter ihnen waren die führenden Köpfe der KPD.

Nicht nur in Leipzig, sondern in ganz Sachsen wurden Betriebswahlen verboten. Trotzdem erreichte die NSDAP am 5. März 1933 nicht die angestrebte Mehrheit. Sie erhielt zwar 189.000 Stimmen und das machte etwa 37% der Gesamtstimmen aus, doch durch einen Zusammenschluss von SPD (157000 Stimmen und 31,7%) und KPD (92000 Stimmen und 18,8%) konnte ein nationalsozialistisches Stadtparlament in Leipzig nicht zustande kommen.

Am 1. und 2. April 1933 wurden bei einem Judenboykott jüdische Betriebe beschmiert und blockiert. Ihre Inhaber_innen und auch Kund_innen wurden massiv bedroht. Es dauerte danach nicht lange und die ersten jüdischen Beamtinnen und Beamten mussten ihre Arbeitsposten aufgeben. Auch die Händler_innen am Brühl waren betroffen, obwohl sie durch die verschiedenen Pelze weltweit bekannt waren.

Seit April 1933 war Carl Goerdeler Oberbürgermeister von Leipzig. Seine anfänglich gute Zusammenarbeit mit der NSDAP hielt nicht lange an. Am 22. Juni 1933 erhielt neben der KPD auch die SPD ein offizielles Parteiverbot. 1934 wurde in der Stadt Leipzig das "Amt für Rassenkunde und Erbgesundheitspflege" eingerichtet. In diesem Amt mussten alle Bürger_innen Leipzigs nachweisen, dass sie "arische" Vorfahren hatten. Im Jahr 1935 veröffentlichten die Nationalsozialisten eine Liste, auf der alle "nicht arischen" Ärztinnen verzeichnet waren. Jede einzeln betroffene Ärztin und jeder einzeln betroffene Arzt bekam in der Folge entweder den Vermerk "nicht zugelassen" oder "noch zugelassen".
Im gleichen Jahr, noch vor den Nürnberger Gesetzen, erhielten die Jüdinnen und Juden in Leipzig Bibliotheksverbote. Außerdem wurden die jüdischen Bürger_innen aus Hallen- und Freibädern ausgeschlossen und durften am kulturellen Leben Leipzigs nicht weiter teilnehmen.
Im Sommer 1936 wurde Goerdelers Amtszeit auf weitere 12 Jahre verlängert. Als aber während seiner Finnlandreise das Mendelssohn-Denkmal (er war Jude) entfernt wurde, nahm Goerdeler dies als Anlass zum Rücktritt als Oberbürgermeister am 1. April 1937.

Auch die Universität Leipzig musste einige Lehrkräfte entlassen, obwohl sie sich von Anfang an offiziell für die NS-Politik ausgesprochen hatte. So wurden bei einer sogenannten "Säuberung" rund 30 Professuren entlassen. Auch einige Studierende mussten die Hochschule verlassen oder wurden von den Lehrveranstaltungen ausgeschlossen. Leipzigs Theater- und Opernschaffende mussten die Inhalte ihrer Werke der NS-Politik anpassen. Eine Polizeibehörde kontrollierte regelmäßig die Aufführungen. Am 20. August 1937 wurden von SAMännern über 350 Werke aus der Akademie der Künste beschlagnahmt. Im Jahr 1938 folgte eine Ausstellung im Rahmen der Propagandaaktion "Entartete Kunst" im Grassimuseum. Viele Leipziger_innen empfanden diese Ausstellung als ein Abschiednehmen von der Weltkultur.

In der Reichsprogromnacht, der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, wurden in Leipzig unter anderem Synagogen in der Gottschedstraße und in Apels Garten niedergebrannt. Betroffen war auch die Kapellhalle des jüdischen Friedhofs.